NQZ - Nationales Qualitätszentrum für Ernährung in Kita und Schule
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Nationales Qualitätszentrum für Ernährung in Kita und Schule
Sehr geehrte Frau Ullrich-Runge,

in unserem letzten Newsletter konnten Sie Ihr Wissen testen. Lagen Sie richtig und haben getippt, dass fast 90 Prozent der Kitas in Deutschland eine Mittagsverpflegung anbieten? Klar ist damit definitiv: Ernährung ist in der Kindertagesbetreuung ein fester Bestandteil. 

Kinder essen und trinken aber nicht nur in der Kita, sondern auch regelmäßig in der Kindertagespflege. Die Zahlen verdeutlichen, dass sich diese Betreuungsform zunehmend etabliert und gesetzlich gilt sie als gleichberechtigtes Kinderbetreuungsangebot. Mit dieser Ausgabe wollen wir Sie daher in die Welt der Kindertagespflege mitnehmen und wünschen Ihnen viel Spaß beim Stöbern.

Ihr NQZ-Team
Neues aus dem Netzwerk

Zweiter Runder Tisch „Ernährung in der Kindertagespflege“
am 11. Mai 2021


Im vergangenen Jahr brachte das NQZ erstmals Akteure aus der Kindertagespflege zum Runden Tisch „Ernährung in der Kindertagespflege“ zusammen und machte Rahmenbedingungen und Strukturen transparent.
Der interdisziplinäre Kreis betrachtete, wie Kindertagespflegepersonen ihren Betreuungsalltag gestalten. Aber auch Fragen nach zuständigen Institutionen und Ministerien auf Bundes- und Länderebene oder Beratungs-, Unterstützungs- und Fördermöglichkeiten für die Kindertagespflege wurden in den Blick genommen.

Gemeinsam erarbeitet wurde, dass es in Bezug auf Verpflegung und Ernährung an zugeschnittenen Empfehlungen für die Kindertagespflege fehlt. Genau hier setzte das zweite Treffen im Mai diesen Jahres an. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V., das Netzwerk Gesund ins Leben und der Bundesverband für Kindertagespflege e.V. gaben Einblicke in Vorhandenes und stellten damit ein bunten Zutaten-Mix für mögliche Ernährungsempfehlungen für die Kindertagespflege vor.
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Ihre Meinung zählt - Befragung gestartet


Das NQZ ist überzeugt, dass Ernährungsbildung in vielfältiger Weise bereits in den Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflegestellen in den Bundesländern gelebt und vermittelt wird. Was bereits Gutes vorhanden ist und wo es möglicherweise noch Herausforderungen zu bewältigen gibt, dazu möchten wir uns ein Meinungsbild von Ihnen einholen.
Wir laden Sie daher ein, an unserer Befragung teilzunehmen. Über Ihre Meinung, Erfahrungen und Einschätzungen freuen wir uns.
» Zur Umfrage
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Essen findet sowieso statt - Lernen auch!


Was Kinder beim Essen lernen können? Dazu gab Dr. Henrike Schönau beim Kongress IN FORM digital vielfältige Anregungen mit ihrem Vortrag. Den Beitrag sowie die anschließende Fragerunde mit Expert*innen aus der Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung und der Fachberatung vom 18. Mai können Sie jederzeit nochmal online ansehen.
» Zum Vortrag
Gesichter des Gute-KiTa-Netzwerks
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Claudia Ullrich-Runge, Diplom-Pädagogin und wissenschaftliche Referentin beim Deutschen Jugendinstitut e.V. (DJI), Abteilung Kinder und Kinderbetreuung mit dem Schwerpunkt Kindertagespflege

Welchen Bezug hat Ihre Tätigkeit beim DJI zum Thema Ernährung und Ernährungsbildung?

„Die Schwerpunkte meiner Arbeit am DJI liegen im Themenbereich Kindertagespflege allgemein, aktuell vor allem in der Qualifizierung, Fort- und Weiterbildung von Kindertagespflegepersonen. Dabei setze ich mich besonders für eine Stärkung der Strukturen ein, damit eine qualitätsorientierte Bildung und Betreuung in der Kindertagespflege möglich ist. Als Mit-Autorin des „Qualifizierungshandbuches (QHB) für die Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern unter drei“ bin ich am geplanten neuen Projekt zum QHB beteiligt. Dabei sollen digitale Lehr- und Lerninhalte in Form eines Blended-Learning-Konzepts für die Grundqualifizierung von Kindertagespflegepersonen entwickelt werden. Im QHB ist das Thema Ernährung als Querschnittsthema verankert. Mit einem Erweiterungsmaterial wollen wir diesem Themenbereich mehr Gewicht verleihen, deshalb ist auch ein eigener Qualifizierungsbaustein Ernährung und Ernährungsbildung zum QHB geplant.“

Unter welchen strukturellen Rahmenbedingungen sind Kindertagespflegepersonen tätig?


„Grundsätzlich haben Kindertagespflegepersonen den gleichen Förderungsauftrag wie Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen. Die Settings unterscheiden sich jedoch voneinander. Kindertagespflegepersonen sind überwiegend in eigenen Räumen selbstständig tätig, sie betreuen meist kleine Gruppen von sehr jungen Kindern bis drei Jahre. Das bringt andere Herausforderungen mit sich, die auch die Mahlzeiten betreffen. Tagesmütter und -väter sind für die Kinder sehr enge Bezugspersonen und damit ein großes Vorbild. Sie müssen sich ihrer Rolle bewusst sein, die sie für die Ernährungsbildung der Kinder spielen. Die Mahlzeiten bereiten sie häufig selber zu, d. h., sie benötigen Kenntnisse über eine bedarfsgerechte und hygienische Zubereitung, die oft auch parallel zur laufenden Betreuung erfolgt. Kindertagespflegepersonen müssen mit dem Budget haushalten, zudem muss die Art und Weise der Ernährung zu den vielfältigen Herkunftsfamilien der Kinder passen und mit ihnen abgestimmt sein. Oft verfolgen Eltern die Ernährung ihrer Kinder sehr aufmerksam und in der Regel besteht zu den Eltern der betreuten Kinder eine besonders enge Beziehung. Für all das ist die Kindertagespflegeperson allein verantwortlich. Gleichzeitig soll sie für Ernährungsbildung sensibel sein und die Mahlzeiten sehr bewusst für den Beziehungsaufbau zu den Kindern nutzen.“

Welchen Stellenwert sehen Sie für die Ernährungsbildung in der Kindertagespflege?


„Die Kindertagespflege bietet mit ihrer besonderen Struktur, also durch die kleine Kindergruppe, betreut durch eine feste Bezugsperson und familienähnliche Gegebenheiten, auch auf der Ebene der Mahlzeitengestaltung viel Potenzial für die Qualität der Verpflegung und für das Thema Nachhaltigkeit. Es gibt ein weites Spektrum an Möglichkeiten, Ernährungsbildung im pädagogischen Alltag der Kindertagespflegestelle zu integrieren. Wir müssen uns aber auch bewusstmachen, wie hoch und vielfältig die Anforderungen an Kindertagespflegepersonen dabei sind. Mit der Qualifizierung können wir einen Grundstein an Kompetenzen legen. Ernährung ist hier ein kleiner, aber wichtiger Baustein. Jede einzelne Kindertagespflegeperson bringt dazu ergänzend eigene Einstellungen und Erfahrungen mit, die auch ihre Familienernährung betreffen, wenn z. B. die betreuten Kinder mit den eigenen Kindern am Familientisch essen. Hier kommen vielfältige Abstimmungs- und Überlegungsprozesse auf alle Beteiligten zu. Es sind also vermehrt alltagsintegrierte Elemente, die wir ‑ nicht nur zur Frage der Ernährungsbildung ‑ in der Kindertagespflege umsetzen müssen, um angemessen nachhaltig und gesund zu agieren.“

Welche Strukturen könnten helfen, Ernährungsbildung stärker zu verankern?


„Die Studie „Gute gesunde Kindertagespflege“ von Prof. Dr. Susanne Viernickel von der Universität Leipzig und Kolleg*innen als auch meine eigenen Erfahrungen zeigen, dass viele Kindertagespflegepersonen die Ernährung in ihrer Konzeption verankert haben. Hinsichtlich der Umsetzung und Reflexion im Alltag und dem Stellenwert der Ernährungsbildung in der Kindertagespflege ist sicher noch Luft nach oben. Hier spielen die Fachberatungen eine zusätzliche Rolle. Denn das Thema ist nicht nur an die Kindertagespflegeperson adressiert, sondern muss bewusst und gezielt mit Fachberatungen besprochen werden. Hierfür müssen wir auch die Fachberatungen stärker befähigen. Im Sinne einer fachlichen Begleitung sollten sie den Bildungsauftrag auch hinsichtlich der Ernährungsbildung gemeinsam mit der Kindertagespflegeperson stärker in den Blick nehmen. Wir haben es bundesweit mit lokal sehr unterschiedlichen Strukturen und Prozessen zu tun, deshalb braucht es flexible Ansätze."

Was ist Ihre Motivation, sich im Gute-KiTa-Netzwerk des NQZ zu engagieren?


„Das Thema gesunde und nachhaltige Ernährung soll stärker in den Fokus der Beteiligten in Kindertageseinrichtungen und auch in der Kindertagespflege rücken. Gleichzeitig sollen weitere Akteure auf operativer Ebene für dieses Thema sensibilisiert werden. Das Thema Ernährungsbildung wurde bisher kaum interdisziplinär bearbeitet. Im Netzwerk des NQZ haben sich diejenigen Akteure zusammengefunden, die das Thema Ernährung und Ernährungsbildung in der Kindertagespflege voranbringen können, das ist ein großer Gewinn. Das Netzwerk bietet eine Plattform, das Thema Essen und Ernährung aus unterschiedlichen Perspektiven und über die Disziplinen hinweg zu diskutieren, gemeinsame Grundlagen abzustimmen und das Thema nachdrücklicher in der frühpädagogischen Bildung zu platzieren. In Fragen der Qualifizierung zum Thema stehen wir in engem Austausch mit dem NQZ. Das NQZ hat relevante Player an den Tisch geholt, das schafft viel Sensibilität auf Bundes- und auch auf Länderebene."
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Kenntnisse über die Kindertagespflege als gesundheitsförderliches Setting sind bisher eher rar. Die Studie „Gute gesunde Kindertagespflege“ (GuT) der Universität Leipzig und der Alice-Salomon-Hochschule Berlin (2018) nahm sich dieses Themas an und gibt damit erstmals spannende Einblicke in die Bildungs- und Gesundheitsqualität. Wir stellen Ihnen hier die wichtigsten Ergebnisse vor:
» Zur Studie


Fragestellung und Datenerhebung


Ein Ziel der Analyse war es, Erkenntnisse zu Bildungs- und Gesundheitsmerkmalen in der Kindertagespflege zu erhalten, u.a. mit Fragen wie: Wie verstehen Kindertagespflegepersonen (KTTP) ihren pädagogischen Auftrag zur Bildungs- und Gesundheitsförderung und wie nehmen sie ihn wahr? Zur Beantwortung dieser Fragen wurden per Online-Befragung bundesweit KTPP (n=1.721) sowie Eltern (n=631) befragt. In die Ergebnisse flossen auch qualitative Erkenntnisse ein.


Mahlzeitenangebot und Ernährungsbildung im Fokus

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Die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Susanne Viernickel untersuchte u.a. Aspekte, die die Mahlzeitengestaltung und Ernährungsbildung in der pädagogischen Praxis von KTPP betreffen und kam zu folgenden Erkenntnissen:
  • Ein tägliches Obst- und Gemüseangebot ist Standard (bei 92,5 % der KTPP).
  • Dennoch geben etwa 20 % der KTPP an, nur teilweise gesundheitsförderliche Mahlzeiten realisieren zu können. Etwa 2% der KTPP können keine gesundheitsförderlichen Mahlzeiten anbieten.
  • Zwar wird einerseits die Bedeutung und Realisierung eines gesunden und abwechslungsreichen Ernährungsangebots von den KTPP betont, jedoch zeigt die Studie eine mangelnde Verankerung des Themas in den pädagogischen Konzeptionen.
  • Ernährungsbildung im Sinne von alltagsintegrierten Bildungsaktivitäten ist teilweise von untergeordneter Bedeutung.
  • Partizipative und individualisierende Elemente (z. B. bei der Mahlzeitenzubereitung) sind im pädagogischen Alltag teilweise unterrepräsentiert.
  • Für viele KTPP ist „Gesunde Ernährung“ kein relevantes Thema im Austausch mit ihrer Fachberatung.
  • Für knapp 30 % der KTPP ist eine gesundheitsförderliche Ernährung der Kinder durch ein zu geringes Budget eingeschränkt.

Ernährung und Ernährungsbildung als Thema für Qualifizierung und Fachberatung


Eine Empfehlung der Studie lautet, die Thematik verstärkt in Fortbildungs- und Fachberatungsangeboten zu verankern. Dies gelte insbesondere für KTPP ohne pädagogische Ausbildung und/oder ohne Berufserfahrung, so die Studienleiterin. Nahrungsmittelkunde, gesunde und preiswerte Koch-Praxis sowie die Bedeutung und Umsetzung alltagsintegrierter Aktivitäten zur Ernährungsbildung müssten Qualifizierungsinhalte sein. Ebenfalls brauche es konkrete Unterstützung bei der Konzeptionsentwicklung sowie zielgruppenspezifische Online-Austausch- und Qualifikationsformate.
Termine

Treffen Sie das NQZ vor Ort:

Deutscher Kitaleitungskongress „Leiten. Stärken. Motivieren.“ Information, Anmeldung und weitere bundesweite Termine hier.
Deutscher Kitaleitungskongress„ Leiten. Stärken. Motivieren." Information, Anmeldung und weitere bundesweite Termine hier.

Deutscher Kitaleitungskongress„ Leiten. Stärken. Motivieren." Information, Anmeldung und weitere bundesweite Termine hier.

Nehmen Sie an interessanten Veranstaltungen teil:

5. Bonner Ernährungstage 2021
Save The Date und weitere Informationen zur Veranstaltung hier.

29.-30.09.2021, Bonn, online


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Impressum: Nationales Qualitätszentrum für Ernährung in Kita und Schule (BLE) | Präsident: Dr. Hanns-Christoph Eiden | Deichmanns Aue 29 | 53179 Bonn
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